Versos German Joachim Ringelnatz Eisenbahnfahrt

German poem

Eisenbahnfahrt

by

Listen in the reader

Weine nicht Abschiedstrauer. Es biegt sich alles sowieso. Unterm moralischen Popo Brennt nichts so heiß wie Dauer.

Und weil es uns so lange So schlecht erging – nein noch zu gut! Sei nicht mehr bange. Mir macht die Eisenbahn jetzt Mut.

Dann fuhr der Zug. – Mein Vis-à-vis, Mann mit Begleiterinnen, Die wollten – ach ich kenne die – Ein Fettgespräch beginnen.

Aus Fett, im Fett und über Fett. Ich aber wünschte ihnen Im stillen ein bequemes Bett Mit Syrup und mit Bienen.

Ich stierte fremd und sprach kein Wort. Doch all mein Leid erwachte, Daß ich mich einschloß im Abort Und rauchte dort und dachte.

Es stinkt im Eisenbahnklosett Nach jedermann und kläglich. Doch sowas stinkt wohl täglich Aus jedermann und jedem Bett.

Es kann die Bahn, ein Mensch, ein Gaul Ausgleiten und entgleisen. – Denk nicht zu viel und halt dein Maul Auf Reisen!