German poem
Guter Rausch
Denken wir jetzt nicht an den Halunken, Der betrügt, indem er sich besäuft, Auch nicht an den andern, der betrunken Schimpft und androht oder Amok läuft,
Nicht an Witzler, nicht an Vielversprecher, Noch an den, der morgen früh bereut, Der am Tag vor Nacht- und Nacktheit scheut. Was ich meine, gilt für andere Zecher.
Ihrer denk ich. Nach dem sechsten Glase, Oder nach dem dritten oder zehnten, Kommen sie – nicht etwa in Ekstase – Sondern in den variiert ersehnten
Zustand, klar und dennoch mild zu sehn, Mild zu horchen auf die Andern, Fremden Und wie Engel in schneeweißen Hemden Sozusagen vor sich selbst zu stehn.
Manchmal schießen sie mit der Pistole Dann in sich ein ewig tiefes Loch. Manchmal lächeln sie und trinken noch Kognak, Zwetschenwasser, Sekt und Bowle.
Aber immer nehmen sie sich vieles Vor und nehmen vieles still zurück Und erkennen in Betreff des Zieles Und der Zukunft ihren Weg zum Glück.
Und man wird um solch entrückte Zeit Sie beneiden, und man wird sie lieben. – Wenn sie doch – zu frühem Tod bereit – Unverändert derart trunken blieben!