German poem
Siegwart, als Mönch, im Klostergarten
by Johann Baptist von Alxinger (1755–1797)
Hier, wo diese melanchol’sche Quelle Sanft mir, wie ein Schauder Gottes, rauscht, Hier sitz’ ich, der eine kleine Zelle Für die Erdefreuden eingetauscht. Sitz’ auf diesen monderhellten Steinen, Wollte gern betäuben die Natur; Wollte meinen Jammer gern verweinen, Und verwein’ ihn mit dem Leben nur.
Jetzt, da über dem beschornen Haupte Mir der Mond in reinem Silber steht, Hecken, die der Frühling neu belaubte, Leis’ ein kühler Abendwind umweht: Bluten wieder alle meine Wunden, Denk’ ich mein auf stets verlornes Glück, Diese liebetrunknen Abendstunden, Ach, sie kehren nimmermehr zurück!
Als mein Mund auf ihren Mund sich prägte, Als ich unsers Thomas Hause nah, Ihr ein Würmchen auf den Strohhut legte, Das ich durch die Nacht her glänzen sah. Doch, Gedanke, soll ich dich verbannen Weg von diesem härnen Büsserkleid? Nein, durchs Engelbild von Mariannen Würde selbst kein Heiliger entweiht.
Welch ein Anblick! diese blaue Ferne Theilet sich, sie kömmt, sie kömmt hervor: Ja sie ists! verdunkelnd Mond und Sterne, Wallt ihr helles Silberkleid empor. Ueberschleyert, von der Gottheit Strahle Angeschienen, glänzt ihr Angesicht: Roth die Wange, selbst die Wundenmahle Meines Stifters blühen röther nicht.
Engel Gottes, und o auch der meine, Sieh, dein armer Siegwart schmachtet hier, Horch’, es gilt sein klägliches Geweine Unter allen Heiligen nur dir! Ha! du zeigst mir deine goldne Krone, Die so schwer von dir erkämpfet ward, Also strahlt auch die an Gottes Throne, Welche meiner nicht mehr lange harrt.
Liebreich, segnend blickst du auf mich nieder, Ladest mich aufs trunkne Wiedersehn. Freust dich schon auf meine hohen Lieder, Wenn wir an des Lammes Seite stehn. Und, o du für mich Gewürgter, wende Her dein Antlitz, Bruder, Mensch und Gott! Sieh, ich falte dir die welken Hände, Meine ganze Seele lechzt nach Tod.