Versos German Johann Christian Günther Am XVI. Sonntage nach Trinitatis

German poem

Am XVI. Sonntage nach Trinitatis

by (1695–1723)

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Ich, Paulus, bitte, werdet nicht In meiner Trübsahl müde. Dies Leiden, so vor euch geschieht, Gebiehrt euch Ehr und Friede. Derhalben beug ich meine Knie Zum Vater in der Höhe, In deßen Kindschaft ich mit euch Durch Jesum Christum stehe.

Er las euch nach der Herrligkeit Und seines Reichthums Gaben Am innerlichen Menschen Kraft Und Stärck und Wachsthum haben, Damit sich Christus auch in euch Im Glauben niederlaße Und durch die Liebe mehr und mehr So Grund als Wurzel faße,

Bis daß ihr mit den Heiligen Begreifet und verstehet, Wie weit die Tiefe, Läng und Höh Und auch die Breite gehet, Und bis ihr Christi Liebe kennt, Der kein Erkäntnüß gleichet, Auf daß ihr Gottes Gnade seht Und ihre Füll erreichet.

Dem aber, welcher mehr vermag, Als wir verstehn und bitten, Durch jene Kraft, die in uns würckt In Lehren, Wort und Sitten, Dem sey in unsrer Kirche Ruhm In Jesu Christi Nahmen Von Ewigkeit zu Ewigkeit In allen Zeiten Amen.

Du Gott und Vater alles Lichts Und aller Menschenkinder, Durch deßen eingebohrnen Sohn Wir ganz verlornen Sünder Das Recht der Erbschaft deines Reichs Von nun an mit genießen, Las jezo deinen Gnadenstrahl Auf unsre Demuth schießen.

Wir beugen Haupt und Herz und Knie Und kommen, dich zu bitten, Durch deßen Nahmen und Verdienst, Der selbst vor uns gelidten. Wir suchen kein vergänglich Gut Noch irdisches Ergözen, Das nur die Kinder dieser Welt Vor ihren Himmel schäzen.

Der Reichthum deiner Herrligkeit Ist gar nicht auszusprechen. Wir bitten nur ein Theil davon, Den alten Mensch zu schwächen, Der mit Begierden böser Art Sich in uns zeigt und reget Und deßen Ungehorsam noch Verbothne Früchte träget.

Ach, sende doch von deiner Kraft Dem Glauben Kraft und Stärcke, Damit man deine Wunder seh Und ihr Geheimnüß mercke. Gieb, daß sich Christus innerlich Mit uns genau verbinde Und unsre Seele den Geschmack Der andern Welt empfinde.

Gelehrsamkeit und Wißenschaft Begreifen tausend Sachen, Woraus die Weisen dieser Welt Nicht wenig Rühmens machen; Doch wer die Liebe Christi kennt, Der schilt ihr thöricht Prahlen, Erwehlt den recht- und süßen Kern Und läst der Welt die Schalen.

Zu der Erkäntnüß wirstu uns In frommer Einfalt bringen, Damit sich unser Herz und Wuntsch Nach jenen Hügeln schwingen, Auf welchen wir dich dermahleinst Verklärter schauen sollen Und durch ein seelig Jubellied Ohn Ende preisen wollen.