Versos German Johann Christian Günther An die Leipziger Leonore

German poem

An die Leipziger Leonore

by (1695–1723)

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Nun, Kind, ich kann dich nicht mehr bitten: Behalt mein Herz in treuer Brust! Das Denkmal deiner muntern Sitten Erweckt mir auch von weitem Lust, Und wo ich reise, wohn' und bin, Da folgt mir dein Gedächtnis hin.

Ein Waldhorn klingt bei Abendstunden Von weitem durch die Gärten schön, Es reizt das Blut verliebter Wunden Und läßt die Geister flüchtig gehn; Jedoch ergetzt mich das Gehör Von deinem Wohlsein noch viel mehr.

Das Glücke spielt mir tausend Possen Und lockt mich auf des Hofes Eis, Ich folg' ihm klug und unverdrossen, So gut ich seine Tücke weiß: Die Vorsicht leite, wie sie will, Ich halt' in allen Wettern still.

Die Gegend, wo ich jetzund dichte, Ist einsam, schatticht, kühl und grün; Hier hör' ich bei der schlanken Fichte Den sanften Wind nach Leipzig ziehn Und geb' ihm allzeit brünstiglich Viel tausend heiße Küss' an dich!

Hier kann ich mich der Zeit bequemen, Hier ist mir Stell' und Ort geneigt, Die große Rechnung vorzunehmen, Wie viel mir Leipzig Guts erzeigt. Doch alles, was ich schätzen kann, Das kömmt auf deinen Umgang an.

Erinnre dich der ersten Küsse, Die niemand als der Schatten sah! Sie machten mir die Äpfel süße, Ach, wäre doch die Zeit noch da! Gedenk an Pfeifers Schlafgemach, Und zähle dort die Wollust nach.

Der Umgang wurd' uns sonst verboten, Wir suchten die geheimste Bahn: Wir riefen die verwandten Toten Zu Zeugen unsrer Freundschaft an Und ließen bei verschwiegner Pein Den Kirchhof unsre Freistatt sein.