German poem
An seine Leonore
by Johann Christian Günther (1695–1723)
Schicke dich, geliebtes Kind, In die unruhvollen Zeiten; Dann und wann kann Sturm und Wind Unverhofft in Hafen leiten. Nun ist wohl niemand besser dran, Als wer getreu und klug und ewig lieben kann.
Als er seiner Magdalis nichts zum grünen Donnerstag geben konnte
Getreue Magdalis! Du forderst zwar den Zoll, Der jährlich wiederkommt, zum grünen Donnerstage; Doch meine Hand weiß nicht, was sie dir geben soll, Weil ich in selber nichts als Luft und Mangel trage. Kein guter Marzipan, kein Mantel von Damast Läßt meiner Armut zu, dich reichlich zu bedenken, Und weil du gestern schon mein Herz gestohlen hast, So steht es nicht bei mir, es heute dir zu schenken; Doch alles möchte sein, wenn mich die Poesie Des Kummers, deinen Wunsch zu stillen, überhübe. Allein, sie wegert sich. Drum nimm, wo nicht zu früh, Hier die Beständigkeit von meiner reinen Liebe.