Versos German Johann Christian Günther Der gewisze Trost

German poem

Der gewisze Trost

by (1695–1723)

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Der Herr führt meine Sache, Drum scheu ich keinen Feind. Die Misgunst tob und lache, Weil mir kein Glücksstern scheint, Die Lästrer küzeln sich An meinen Unglückspfeilen, Gott wird die Wunden heilen, Und deßen tröst ich mich.

Drückt mich der Sünden Menge, Mein Heiland schwächt die Last; Er hilft aus dem Gedränge, Wenn mich die Furcht umfast. Das Schröcken tiefer Nacht Muß unverzüglich weichen, Wenn mich das Siegeszeichen Des Creuzes tapfer macht.

Bin ich anjezt verlaßen Und alles Trostes leer, Mein Geist, du must dich faßen, Sonst wird die Noth zu schwer. Im Himmel lebt ein Freund, Der wird mir nicht entfallen, Obgleich die Welt von allen Mich zu entblößen scheint.

Muß ich mich in der Fremde Um Brodt und Waßer mühn Und mit dem naßen Hemde Mein Blut vom Leibe ziehn, Ich will dem Höchsten traun, Er wird die Armuth wenden Und mir mit starcken Händen Mein eignes Hüttchen baun.

Rast immerhin, ihr Spötter, Macht meiner Thränen viel; Vielleicht macht auch das Wetter Aus euch ein Unglücksziel. Ich wüntsch es nimmermehr; Darum bekehrt euch lieber, Ihr seyd noch nicht hinüber. Worauf trozt ihr so sehr?

Herr, führe meine Sache; Ich übergebe dir Den Lohn und auch die Rache. Steh meiner Schwachheit für Und las mir doch einmahl Den Tag des Heils erscheinen. Du siehst mein bittres Weinen Und schäzest meine Qual.