Versos German Johann Christian Günther Die immer grünende Hoffnung

German poem

Die immer grünende Hoffnung

by (1695–1723)

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An Leonore

Stürmt, reißt und rast, ihr Unglückswinde, Zeigt eure ganze Tyrannei! Verdreht, zerschlitzt so Zweig als Rinde Und brecht den Hoffnungsbaum entzwei! Dies Hagelwetter Trifft Stamm und Blätter, Die Wurzel bleibt, Bis Sturm und Regen Ihr Wüten legen, Da sie von neuem grünt und Äste treibt.

Mein Herz gibt keinem Diamanten, Mein Geist den Eichen wenig nach; Wenn Erd' und Himmel mich verbannten, So trotz' ich doch mein Ungemach. Schlagt, bittre Feinde, Weicht, falsche Freunde! Mein Heldenmut Ist nicht zu dämpfen, Drum will ich kämpfen Und sehn, was die Geduld vor Wunder tut.

Die Liebe schenkt aus göldnen Schalen Mir einen Wein zur Tapferkeit, Sie spricht, mir guten Sold zu zahlen, Und schickt mich in den Unglücksstreit. Hier will ich kriegen, Hier will ich siegen: Ein grünes Feld Dient meinem Schilde Zum Wappenbilde, Bei dem ein Palmenbaum zwei Anker hält.

Beständig soll die Losung bleiben, Beständig lieb' ich dich, mein Kind, Bis dermaleinst die Dichter schreiben, Daß du und ich nicht sterblich sind. Das Wort beständig Macht alles bändig, Was Elend heißt. Das stärkste Fieber Geht bald vorüber, Wenn man nur mit Geduld den Frost verbeißt.

Nur zweifle nicht an meiner Treue, Die als ein ewig helles Licht, Wenn ich des Lebens mich verzeihe, Die Finsternis der Gräber bricht. Kein hartes Glücke, Ja, kein Geschicke Trennt mich von dir: Du stirbst die Meine, Ich bin der Deine: Drum wirf' den Argwohn weg und glaube mir!