German poem
Herr, wenn ich nur dich habe etc
by Johann Christian Günther (1695–1723)
Herr, glaube mir und meinem Glauben, Der dich allein verehrt und kennt Und wider Satans Zorn und Schnauben Durch deine Kraft im Stillen brennt: Du bist, was in der großen Welt Mir einzig und allein gefällt.
Ich seh die Wercke deiner Hände, Sie sind vollkommen, schön und gut. Die Ordnung all- und jeder Stände Beweist, was deine Vorsicht thut, Durch welche warlich nichts geschieht, Als was uns Lust und Vortheil zieht.
Du hast die Erde fest gegründet Und lauter Wunder dargestellt, So daß sich auch kein Stäubchen findet, Aus welchem nicht dein Bild erhellt, Ein Bild von deiner Güt und Macht, Die nichts umsonst hervorgebracht.
Dein Himmel hat noch größre Schäze Und Wollust sonder Eitelkeit, Die die Erlösung vom Geseze Dem Glauben schon in Hofnung beuth. O unausprechlicher Genuß Von Freuden und von Überfluß!
Doch zeigt der Himmel und die Erde Mir keine Lust so reizend an, Als wenn ich dir vereinigt werde Und deiner Huld genießen kan, Weil da, wo du, o Gott, nicht bist, Der Himmel selbst kein Himmel ist.
Verstoß mich, wenn du wilst, zur Höllen; Die Liebe, so mich dir vermehlt, Versüßt des Feuers Schmerzensquellen, Das blos den bösen Willen quält; Erlaubstu mir dein Angesicht, So fühl ich die Verdammnüß nicht.
Der Rache Bliz schlägt ins Gewißen, Die Sünden überdecken mich, Die Seele schreyt von stummen Bißen Und kämpft bald vor, bald wider sich, Der Mund verdorrt, die Zunge klebt, Weil Marck und Bein vor Schröcken bebt.
Dies nennt ein Weltkind Höllenschmerzen, Ich aber nenn es Seeligkeit; Denn du, o Herr, gewährst dem Herzen Die zärtlichste Gelaßenheit Und wirfst der innerlichen Ruh Durch Qual und Trost viel Nachdruck zu.
Vom Glücke werd ich nur vergebens Mit Lust gelockt, mit Zorn erschröckt; Denn wer die Kräfte jenes Lebens Wie ich in deiner Liebe schmeckt, Der hat sein unvergänglich Heil. Was will ich mehr? Der Herr mein Theil.
More by Johann Christian Günther
- Hat das ungetreue Glück
- Hat jemahls Furcht und Scham, du ungemeines Kind
- Hemmt, ihr geilen Weltsyrenen
- Herr Magister! Gelt, das klingt; ist dir in dem weisen Orden
- Herunter mit der alten Leyer
- Herzlich lieb hab ich dich, Herr etc
- Hochwohlgeborne Frau, es kommt ein schlechtes Blat
- Ich bähne mir den Weg, du hocherfahrner Mann