German poem
Erster Auftritt
by Johann Christoph Gottsched (1700–1766)
Auf! muthige Helden, auf! tapfere Söhne, Ergreifet die Waffen, Stahl, Pulver und Bley, Das Donnern der Stücke, der Feinde Geschrey Ist kämpfenden Streitern das liebste Getöne. Ihr habt schon im Frieden zu lange geschlafen, Drum werdet itzt munter, die Länder zu strafen. Auf! muthige Helden, auf! tapfere Söhne, Ergreifet etc.
Ja, Wütherich! ich hab es schon gefühlt, Was deiner wilden Kinder Wuth, Durch Stahl und Glut, In meinen Gränzen angerichtet. Du hast dein Müthchen schon gekühlt, Und meine Wohlfahrt halb vernichtet; Hast meiner Söhne Schwert auf meine Brust gekehret, Und Dorf und Feld verwüstet und verheeret. Ich kann bey solcher Noth, Vor allem Plündern, Morden, Brennen, Mich selber kaum erkennen: Und doch wird mir noch mehr von dir gedroht. Ach! stecke deine Schwerter ein Und laß mich wieder ruhig seyn.
Komm Irene! Sanfte Schöne, Große Göttinn! steh mir bey! Dein Erbarmen Rette mich aus Mörderarmen, Mache mich von Fesseln frey. Komm Irene!
V.A.
Umsonst, umsonst, Sarmatia! Dein Schicksal heißt dich leiden; Der Anfang deiner süßen Freuden Ist lange noch nicht da. Du bringst durch Zwiespalt, Zank und Streit Germanien um seine Sicherheit, Die Frankreichs Herrschsucht schon gestöret. Hesperien steht allbereit In vollen Kriegesflammen. Wer weis, wo sich die Glut noch sonsten mehret! Man trägt schon überall die Nahrung frisch zusammen.
Hoffe nicht!
Ich will noch hoffen,
Daß der Frühling Ruhe bringt.
Alles ist des Schlafens müde, Alles seufzt nach Krieg und Streit.
Komm doch, komm, erwünschter Friede! Bring uns Ruh und Sicherheit!
Nein, Bellonens Thor steht offen.
Wisse, daß ihr nichts gelingt.
V.A.