German poem
Klagelied auf den jammervollen Tod der Frau Pfarrerin Denzelin
by Johann Friedrich Blumenbach (1752–1840)
Weh, weh! im Wasser ihr Grab! Sie wandelt, schaudert, taumelt – Ach Gott! sey Stecken und Stab Und stütze dein sinkendes Kind Wo nicht so schilt die Fluthen Die dir, nur dir, gehorsam sind!
Geist, der auf dem Wasser schwebet Und in ihr das letzte Abba schreit! Geist, dem auch der Todte lebet, Sprich ein Wort, das sie vom Tod befreit; Sieh aus Tiefen reicht sie dir die Hand – Greife sie und bringe sie an’s Land.
Gieb dem Manne seine Gattin wieder, Und dem Vater seinen künft’gen Sohn. Gieb – o welch ein Donner schlägt mich nieder! Dort am Ufer liegt sie schon. Todt – und neben ihr der stumme Gatte, Denn versteinert ist sein Schmerz. Ihr die ihr vorüber gehet, Schaut und sehet – Ist ein Schmerz wie meines Freundes Schmerz?
Todt am Ufer – Himmel weine, Sonne tritt zurück und scheine Ueber diesem Schauspiel nicht. Und die dickste Nacht verhülle Dein Gesicht. Gott konnte, taub bei unserm Flehen, Sein Kind sich in dem Wirbel drehen, Sich heben und dann untergehn, Und ihren Mann von ferne jammernd sehn – Dies konnte Gott, und ohne Mitleid, sehn!
Ach dienstbare Geister! wo waret ihr da, Als sie den wartenden Schlund der Tiefe vor sich sah? Wo blieb der Befehl sie auf den Händen zu tragen? Still, frevlende Fragen! Die Engel hörten des Höchsten Befehle, Und eilten, die himmlische Seele Aus Tiefen, die höchstens den Erdball verschlingen, Auf dienstbaren Schwingen An’s Ufer vom gläsernen Meere zu bringen, Um dort ein höheres Lied, als Jonas Danklied, zu singen.
Das Lied des Lamms, das sie mit Blut erkauft. O wär ich zum göttlichen Dichter getauft! Dann nähm ich, wie sie, die Goldharf, dann hörte dein Ohr, O Denzel, nur Echos vom höheren Chor. Dann schwiegen die Wellen u. Stürme in deinem Gemüth, Und lernten mein Lied!
Zions Lied am wilden Wasser Und im fremden Land? Weg, o Hand, Mit den Harfen an die Weiden Von dem Neckarstrand!
Auf o Freunde! sammlet euch, Nicht, wie neulich unter Denzels Myrten – Grausam schlug der Himmel seinen Hirten. Kommt und seht! Er ist sich nimmer gleich. Sitzt zu ihm herab in seinen Staub. Aber redet nichts; sein Schmerz ist taub. Ach wie, vom Wirbel umgedreht, Die Freundinn, eh sie untergeht, Verstummt und nur mit Händen fleht. Wenn unser Freund, wie sie, nur mit den Händen spricht, Dann schweigt, und tröstet nicht.
Und wenn vom Sturm erschüttert Er trauert, zagt und zittert, So tröstet nicht: sein einzger Trost ist hin. Doch Engel! dann erscheinet, Und stärket ihn. Mitgetheilt von Blumenbach.