German poem
Das offne Auge des Todten
by Johann Gottfried Herder (1744–1803)
Ein König sah im Traum einst seiner alten Vorfahren Einen, der vor hundert Jahren regieret hatte. Asche war sein Leib; doch seine Augen, offen in dem Sarge, sie blickten hell umher. – Er fragt die Weisen, was das bedeute? Und ein Frommer sprach: „Mit offnen Augen siehet er sein Reich in fremden Händen, ohne Rast und Ruh.
O wie viele, wie hochberühmte decket die Erde; Und sie verließen auf ihr keine wohlthätige Spur! Aber Nuschirwan lebt, noch unvergessen im Tode, Er, der gerechte Fürst, Er, der gutthätige Mann. Folge Nuschirwan Du, und gewinne das Leben zum Wohlthun, ehe die Stimme ruft: „nun ist auch Dieser nicht mehr.“