German poem
Der Handelsmann
by Johann Gottfried Herder (1744–1803)
Ein Kaufmann, der zweihundert lastbare Kameel’ und Knechte, Diener ohne Zahl, und zahllos Gut besaß, nahm einst mich in sein Haus und sprach die ganze Nacht hindurch:
„Hier hab’ ich einen Kaufbrief auf so viel Besitz; hier eine Handschrift auf so viel an Geld, mit guter Bürgschaft. Dieser ist mein Handelsfreund in der Türkei; ich denke nach Alexandrien anjetzt zu gehn. Die Luft ist da gesund; nur fürcht’ ich mich vorm Meer bei Magrib. Immer aber muß, eh ich zur Ruhe mich begeben kann, ich doch noch Eine Reise thun.“
„Wohin?“ sprach ich. „Ich führe Parthischen Schwefel zum Indus: denn da gilt er viel. Sinesische Geschirre bring’ ich dann zurück nach Griechenland; und Seidenzeug von da nach Indien. Aus Indien Stahl nach Aleppo; aus Aleppo Spiegel nach Yemen in Arabien; von da Kamlot nach Persien und andres mehr. – – Dann geb’ ich meinen schweren Handel auf und setze mich in Ruh. Nun, Sadi, sage auch du mir, was du Guts gehöret hast.
„Ich hörte, sprach ich, auf dem Felde Gur, als eine Karawane Führer vom Kameele fiel und todt am Boden lag, Jemanden sagen: „eines Menschen Auge, die enge Höle, füllt nur Zweierlei: Genügsamkeit, und wo nicht die, das Grab.“