German poem
Der versunkne Brautring
by Johann Gottfried Herder (1744–1803)
Zum Fischer reit' ich, Den Fischer besuch' ich, Sein Eidam wär' ich gerne!
Am Hafestrande Spült' ich die Neze, Rein wusch ich mir die Hände.
Weh! da entfiel mir Vom Mittelfinger Mein Bräutgamring zu Grunde.
Erfleh dir, Liebster, Den Wind, den Nordwind, Auf vierzehn lange Tage!
Vielleicht er würf ihn, Den Ring, vom Grunde Auf deiner Liebsten Wiese.
Da kömmt das Mädchen Dort über Feld her Am Rautengarten.
Verruhe dich, mein Liebster, Leg ab die Sense Hier in die Schwade,
Und deinen Schleifstein Auf diese Schwade! Verruhe dich, mein Liebster!
Dank dir, mein Mädchen, Dank für dein Kommen, Und für dein Mitleid, Für deine süsse Rede! – – –
Schön Tag, schön Abend, O gute Mutter! Kann ich Nachtlager haben?
Nachtlager will ich Dir nicht versagen, Doch gut werd' ich dir nimmer.