German poem
Die beste Wahl
by Johann Gottfried Herder (1744–1803)
Ein fremder Gastfreund trat zum Pittakus Aus Mitylene. „Schenke lieber Greis, Mir guten Rath. Ein zwiefach Ehebett Winkt mir zu einer Wahl: die Eine Braut Ist weit an Stand’ und Reichthum über mir; Die Andre ist mir gleich; wen soll ich wählen?“
Der Alte hob den Stab und zeigte: „Dort Sind Knaben bei dem raschen Kräuselspiel: Tritt hin zu ihnen und sie werden dir Es sagen. – “ *) Als der Fremdling näher trat, Erscholl nur eine Stimme: „Den passenden nimm! Den passenden nimm!“ Der gute Fremdling zog Belehrt zurück und folgt des Knaben Wort: Er führte, die ihm gleich war, in sein Haus Und lebte glücklich. Folg’ auch, Dion, du Des Knaben Wort: so wirst du glücklich leben.