German poem
Die Lebensalter
by Johann Gottfried Herder (1744–1803)
Wie die Blätter, die sich die Blumenliebende Hora. Auf den Zweigen erzieht, wenn sie die Sonne beglänzt, So blühn wenige Zeit wir in der Blüthe der Jugend Frölich und kannten da Böses und Gutes noch nicht. Aber es stehn die Parzen uns schwarz zur Seite, die Eine Spinnet den Faden zum Ziel grämlichen Alters hinan, Bis die andere schneidet, den Tod uns. Wenige Jahre Glänzet der Jugend Frucht, unter der Sonne Glanz; Und ist diese vorbei, die Zeit der geniessenden Tage, Ach da wünschen wir uns lieber als Leben den Tod Denn da treffen die Seele gar viel Beschwerden; den Einen Häuslicher Kummer, ihm müht Armuth den traurenden Geist. Jener wünschet sich Kinder und wenn er am meisten sie wünschet Muß er zur Erd hinab in der Geschiedenen Reich; Diesem quälet den Leib die Muth-auszehrende Krankheit Keiner der Sterblichen ist, der nicht viel Böses erlebt. – –