German poem
Gelegenheit
by Johann Gottfried Herder (1744–1803)
„Wärst du mit einer Schönen still allein; verschlossen sind die Thüren; alles schläft, und deine Lust erwacht. Die Dattel, sagt der Araber, ist reif, und niemand ist, der sie zu brechen wehrt; wie? bliebe dann noch dein Gewissen unbefleckt und rein?“ So fragte man einst einen frommen Mann.
„Und blieb’ es, sprach er, rein; entging’ ich auch der bösen That; Nachreden und Verdacht wär ich doch nicht entgangen. Also flieh die That nicht nur; flieh die Gelegenheit.“