German poem
Herrschende Sinnlichkeit
by Johann Gottfried Herder (1744–1803)
Wer den Sinnen wird gefangen, der gefället sich in ihnen. Aus Gefallen wird Begierde, aus Begierden Angst und Thorheit. Er verlieret das Gedächtniß, die Vernunft, und mit ihr Alles. Wie der Sturm auf Meeres Wellen mit dem schwachen Kahne spielet, spielt Begierde mit Gedanken. Glück und Ruhe sind verschwunden: denn nur der, o Mensch, ist glücklich, dem zufliessen die Gefühle, wie ins stille Meer die Ströme.