German poem
Huld und Liebe
by Johann Gottfried Herder (1744–1803)
Als die Mutter der Liebe den schönen Amor geboren, Sprach zu den Grazien sie: »Ziehet den Knaben mir auf Ernst und sanft! Auch lehret ihn bald die ambrosischen Künste, Wohlzugefallen! sie sind allen Unsterblichen werth.« Gerne verrichteten sie ihr Amt – o Wunder! und lernten Jede vom Amor mehr, als sie den Knaben gelehrt. Seitdem stehen sie, Lieb' und Huld, auf einem Altare: Huld macht Liebe; sich selbst nennet die Liebe nur Huld.