German poem
Religion
by Johann Gottfried Herder (1744–1803)
Als in den alten Tagen der Herr der Schöpfungen Mensch bildet’ und lehrete sie, die Götter verehren, da sprach er: „Denkt der Götter, o Menschen, so werden sie Eurer gedenken; aber gedenkt auch Euer einander, und schaffet das Glück euch. Wer von den Göttern Gaben erhält, und weihet der Gaben Keine zum Danke zurück, der begeht an den himmlischen Diebstal. Also wer nur für sich das Mahl bereitet, der isset Brot der Sünde. Was lebt, empfing vom Brote das Leben, Brot erzeugte der Regen, den Regen gaben die Götter, Huld der Götter erwarben der Menschen gütige Werke, gütige Werke kommen von Gott; so lebet die Gottheit allenthalben in Allem mit ewig-rollendem Kreise, Wer dem göttlichen Kreise nicht folgt, der lebet vergeblich.“