German poem
Serapis
by Johann Gottfried Herder (1744–1803)
Ein Räuber schlief an einer alten Wand; Da stand der Gott Serapis ihm im Traum Vor Augen und weissagend sprach der Gott: „Elender, schläfst du hier? Erwach’ und flieh Von dieser Mauer.“ Er erwacht und floh: Die Mauer stürzt’ herab mit schnellem Sturz. Wie dankt nun der Errettete dem Gott! Frühmorgens bringt er schon sein Opfer dar Und wähnt – Der Bube wähnt, den Göttern sei Sein Leben lieb. Doch kaum entschlief er wieder, Als abermals Serapis vor ihm stand Weissagend: „Wie? Elender glaubest du, Daß ich der Mörder pflege? Wenn ich dich Von diesem Tod’ errettete, der schnell Und Schmerzlos auch den Unschuldgen trifft: So wiß’: ich that es, daß ich dich damit Dem rechten Tod’ aufsparete – dem Kreuz.