German poem
Veturia
by Johann Gottfried Herder (1744–1803)
Coriolanus stand, um Schimpf zu rächen und Unrecht, Unerbittlich-erzürnt, nahe dem zitternden Rom. Und schon sah er es sich und seinen Volskiern dienstbar, Seine Feinde gebeugt, seine Verbannung gerächt; Siehe da trat entgegen dem furchtbar-bösen Gedanken Unbewaffnet ein Weib, und sie errettete Rom. Seine Mutter Veturia ging ihm entgegen; er wollte Küßen die Mutterhand, doch sie verschmähte den Kuß. „Du bist nicht mein Sohn! Ein Felsstein hat dich gebohren; Nenne Veturia nicht, nenne die Mutter nicht Rom.“ – Schaamroth zog er zurück. Was keine Heere vermochten, Hat der rühmliche Stolz, Stolz einer Frauen gethan.