German poem
Der Paß
by Johann Gottfried Seume (1763–1810)
Wenn wir am Rand des Lebens stehen, Und alles, was die Erde hält, Rund um uns her zusammen fällt, Wenn Kronen mit dem Bettelstab vergehen;
Wenn Herrn von weiten weiten Reichen, Die gestern noch mit ihrer Riesenhand Den Orient und Occident umspannt, Heut ihrem letzten Sclaven gleichen;
Wenn eitler Weisheit Dunst zerstäubt, Und von den Hypothesenkrücken, Der größten Köpfe Meisterstücken, Kaum noch ein Splitter übrig bleibt;
Wenn tiefe tiefe Dunkelheit Des Sinnes Ohnmacht schwer umhüllet, Und Ein Gedanke nur die Seele füllet, An Gott und Nichts und Ewigkeit:
Dann, dann ist Eine gute That, Im Sinn des Testaments gethan, Ein beßrer Paß zur unbekannten Bahn, Als aller Pfarrer Attestat.