Versos German Johann Grob Bei Eingange eines Neuen Jahrs

German poem

Bei Eingange eines Neuen Jahrs

by (1643–1697)

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I. Bei Eingange eines Neuen Jahrs.

O Wesen aller Wesen / Die gut und auserlesen / Der du den Weltpallast / Was oben / mitten / unden / Auch drinnen wird gefunden / Aus nichts erschaffen hast.

Dir ist bereit zu dienen Hoch an der Himmelsbühnen Das güldne Sternenheer / Der Erden Feld dergleichen / So weit sie nur mag reichen / Darzu das tieffe Meer.

Du bist der Herr und Meister So vieler tausend Geister / Die deine kraft erschuff: Dir stehet zu gebotte Der Engel schnelle Rotte Auff eines wortes ruff.

Der Himmel führt die Kreise Nach ausgezielter weise Von deiner hohen Hand / So daß den schönen fakeln Das irren oder wakeln Auf ewig unbekant.

Du heißt die Sonne rennen / Das jahr daraus zu kennen / Auch muß das Liecht der Nacht Bald wachsen / bald verschwinden / Die Monat’ aus zu finden Durch deiner Ordnung macht.

Der Winter weicht dem Lenzen / Der Sommer kennt die grenzen / Die sie dem Herbste gab: So lösen alle sachen / Die einen umlauff machen / Einander richtig ab.

Herr Gott / wie deine stärke Und weisheit alle werke Ganz zierlich aufgestellt / Also / du kwell der Güte / Umfanget dein gemühte Mit gnaden alle Welt.

Die jahre zwar verfliessen / Wie schnelle ströme schiessen / Wir führen gleichen schlag: Du aber bleibst bestehen / Wann tausend jahr’ hingehen / Ists bei dir kaum ein tag.

Dein Tron steht ewig feeste; Wir Erdensöhn’ und Gäste Sein nichts als unbestand / Wir sinken in dem schweben / Ja unser blödes Leben Ist nur des Todes pfand.

Der ringt nach hohen ehren / Der wil die habe mehren / Und jener strebt nach kunst; Doch was auf ganzer Erden Nur mag genennet werden / Ist alles wie ein dunst.

Wir rüsten uns zu leben / Und Clotho schneidt es eben In dieser arbeit ab; Wir haben hier kein bleiben / Die zeit wird vns vertreiben / Wir wallen in das grab.

O eiteles beginnen! Der weise muß von hinnen / Der tohr muß auch daran / Die Aerzte selber schwanken / Ein Jüngling kan erkranken Gleich wie ein greiser Mann.

Was halffen Cäsars Kronen / Was Crassens Millionen / Was Catons ernster fleiß? Sie seind dahin gefahren / Wo niemand von den schaaren Den weg zurüke weiß.

Der Tod braucht seine Rechte / Und fragt nicht nach geschlechte / Nach stande / macht und pracht / Ein Goldstük und ein Hader / Ein Bischoff und ein Bader / Sind bei ihm gleich geacht.

Wan nun der Leib verbleichet / Der matte Geist entweichet / Wo bleibt der Erdentand? Man überläßt ihn andern / Und muß entladen wandern / Wohin uns kaum bekant.

Herr / lehr’ es mich bedenken / Und mich darum nicht kränken / Was nur den Geist beladt: Laß mich mit klugen sinnen Auch wenig lieb gewinnen / Was wenig bleibens hat.

Laß hier vor allen dingen Mich nach der Tugend ringen / Dem schaze / der allein Mir nimmer mag verderben / Ja der auch nach sterben Mir kan besizlich sein.