German poem
Glück
by Johann Karl Wilhelm Geisheim (1784–1847)
Brüder, suchet Freud’ und Lust Nicht mit der Laterne! Seid des Glücks euch froh bewußt, Denn es wohnt nicht ferne!
Mancher rennt das Leben aus, Sucht’s bei allen Winden; Aber fand er’s nicht zu Haus, Wird er’s nirgends finden.
Mancher glaubt, das Glück verkroch Sich in grauen Säcken; Doch der Sack hat auch ein Loch, Wird oft leer mit Schrecken.
Mancher hält’s für einen Geist In der grünen Flasche; Später doch spukt der zumeist In der leeren Tasche.
Manche hoffen, Manche harrn Hinter Lottozetteln; Doch das Glück hat sie zum Narr’n, Läßt sich nicht erbetteln.
’S ist ein toller Eigensinn, Voller Tück’ und Laune; Diesen hält es ewig hin, Jener bricht’s vom Zaune.
Ja, das Glück schießt kreuz und quer, Ein verliebtes Herrchen, Das da huldigt Der, bald Der, Wie ein Faschingsnärrchen,
Zeigt den Menschen sich nach Gunst In der bunten Jacke, Lachend, wie den blauen Dunst Jeder hasch’ und packe.
Soll dich nicht sein Unbestand Ewiglich betrüben, Mußt du dich nicht in den Tand, Nicht in Dunst verlieben.