Versos German Johann Karl Wilhelm Geisheim Weltansicht

German poem

Weltansicht

by (1784–1847)

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Von Reich und Reichthum red’t die Welt Und von den goldnen Zeiten, Die stets sich Hoffnung nahe stellt, Doch die stets rückwärts schreiten.

Sie feilt und meißelt an der Zeit, Und will ein Reich gestalten, Wo Glück und Sorgenlosigkeit Des Tages Amt verwalten.

Es soll ein Reich voll Herren sein, Die alle frei regieren, Und wonniglich bei Gold und Wein Selbst Kron’ und Zepter führen.

Doch unter einen Hut zugleich Soll jeder Kopf sich fügen, Und Jeder in des Andern Reich, Wenn er’s begehrt, sich schmiegen.

Und ohne Kampf und ohne Muth Soll sich die Herrschaft gründen; Die Welt will Frieden, Freud’ und Gut Wie Spreu am Wege finden.

Drum klagt der Wunsch oft himmelan, Und schilt die liebe Erde, Daß sie doch nichts ihm geben kann, Als Klagen und Beschwerde.

Und so, vom Ziel’ der Wünsche fern, Im Traum’ vom Reich’ auf Erden, Befragten Jünger einst den Herrn, Wenn dieses Reich soll werden.

Mein Reich ist nicht von dieser Welt, Sprach er, und stieg zur Höhe, Daß, wessen Blick zur Erde fällt, Zur Himmelsheimath sehe.

Sein Reich entfaltet sich uns dort Zur ungewissen Stunde; Doch gab er uns der Liebe Wort, Des Himmels heil’ge Kunde.

Er hat der Leiter Grund gelegt, Die wir hinauf uns bauen; Doch, wer ihn nicht im Herzen trägt, Wird nie den Himmel schauen.