German poem
Die Eule und die Nachtigall
by Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719–1803)
Die Eule sprach zur Nachtigall, Die mit dem Wiederhall, Des Abends und des Morgens, immerfort In Liedern scherzte: Du! hör' auf zu singen, dort Auf deinem Baum, in deinem Schatten; Und komm herein zu mir, zu mir! Und werde meinem Gatten Ein hübsches Abendessen hier!
Die Nachtigall, die sonst nicht spottet, Die spottete der Thörin ins Gesicht: Du hast das Mausgeschlecht gefräßig ausgerottet, Und Vögel kommen wohl in deine Klause nicht; Besonders ich, geboren, frei zu singen, Und dich, Kallmäuser, auszulachen; ich Will mich nicht selber dir zum Abendessen bringen. Willst aber du Kallmäuser mich verschlingen, So komm heraus und hole mich!