German poem
Das garstige Gesicht
Wenn einen würdigen Biedermann, Pastorn oder Ratsherrn lobesan, Die Wittib läßt in Kupfer stechen Und drunter ein Verslein radebrechen, Da heißt's: »Seht hier mit Kopf und Ohren Den Herrn, Ehrwürdig, Wohlgeboren! Seht seine Augen und seine Stirn; Aber sein verständig Gehirn, So manch Verdienst ums gemeine Wesen Könnt ihr ihm nicht an der Nase lesen.«
So, liebe Lotte! heißt's auch hier: Ich schicke da mein Bildnis dir. Magst wohl die ernste Stirne sehen, Der Augen Glut, der Locken Wehen; 's ist ungefähr das garst'ge Gesicht: Aber meine Liebe siehst du nicht.