Versos German Johann Wolfgang von Goethe Wiederfinden

German poem

Wiederfinden

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Wiederfinden.

Ist es möglich? Stern der Sterne, Drück’ ich wieder dich ans Herz! Ach! was ist die Nacht der Ferne Für ein Abgrund, für ein Schmerz. Ja du bist es! meiner Freuden Süßer, lieber Widerpart; Eingedenk vergangner Leiden Schaudr’ ich vor der Gegenwart.

Als die Welt im tiefsten Grunde Lag an Gottes ew’ger Brust, Ordnet’ er die erste Stunde Mit erhabner Schöpfungslust, Und er sprach das Wort: Es werde! Da erklang ein schmerzlich Ach! Als das All, mit Machtgebärde, In die Wirklichkeiten brach.

Auf that sich das Licht! sich trennte Scheu die Finsterniß von ihm, Und sogleich die Elemente Scheidend auseinander fliehn. Rasch, in wilden wüsten Träumen, Jedes nach der Weite rang, Starr, in ungemessnen Räumen, Ohne Sehnsucht, ohne Klang.

Stumm war alles, still und öde, Einsam Gott zum erstenmal! Da erschuf er Morgenröthe, Die erbarmte sich der Qual; Sie entwickelte dem Trüben Ein erklingend Farbenspiel, Und nun konnte wieder lieben, Was erst auseinander fiel.

Und mit eiligem Bestreben Sucht sich, was sich angehört, Und zu ungemessnem Leben Ist Gefühl und Blick gekehrt. Sey’s Ergreifen, sey es Raffen, Wenn es nur sich fasst und hält! Allah braucht nicht mehr zu schaffen, Wir erschaffen seine Welt.

So, mit morgenrothen Flügeln Riß es mich an deinen Mund, Und die Nacht mit tausend Siegeln Kräftigt sternenhell den Bund. Beyde sind wir auf der Erde Musterhaft in Freud und Qual, Und ein zweytes Wort: Es werde! Trennt uns nicht zum zweytenmal.