German poem
Wie Jesus zu Pfullendorf in Schwaben das Bürgerrecht erlangt hat
by Joseph Rudolf Schuegraf (1790–1861)
Im siebzehn hundert achtz’ger Jahr Herr Kaiser Joseph, Zweite, In Rußland bei Kathrinen war, Sich Staatsgeschäften weihte.
Und wie er nun zurückgekehrt, Umreiset er noch Schwaben, Um so mit Länderkund vermehrt, Auch davon Kund zu haben.
In Pfullendorf, da fuhr er ein, Man war zu Tisch bereitet, Da hörte er ein Glöckelein Und fragt, was das bedeutet?
„Am Freitag eilf die Deutung ist, Wo Jesus war verschieden,“ Entgegnet aus der Stadt ein Christ Und glaubt den Herrn zufrieden.
Allein der Kaiser fragte noch: „„Ob denn zu diesem Ende Nicht eine größ’re Glocke doch In Pfullendorf sich fände?““
„O ja, wir haben,“ hieß es jetzt, „Noch größ’re hier zu Lande; Doch diese wird in Gang gesetzt Für Bürger von dem Stande.“
Zum Schultheiß schickt der Kaiser fort Und lasset ihn nun fragen: „„Was ’s Bürgerrecht in diesem Ort Ankäuflich soll betragen.““
Herr Schultheiß war nun gleich zur Hand Und spricht: „Wenn wir es dulden, Das Bürgerrecht in unserm Land, So kostet’s fünfzig Gulden.
Der Kaiser sendet den Betrag Mit seinem Hand-Couverte Dem Schulz mit dem Bedeuten nach: „Daß Jesus Bürger werde.“
Seit in der Stadt man Jesu hat Das Bürgerrecht bereitet, Wird ihm, wie für die Herrn im Rath Die große Glock’ geläutet.
J. Schuegraf.