German poem
Das Schloß zu Detmold
by Julius Rodenberg (1831–1914)
Heut, wo mit lautrem Glanze Sich schmückt der Lipper-Gau, Sei Dein im Ehrenkranze Gedacht auch, Fürstenbau! Du grauer, burgengleicher, Bejahrt, und dennoch jung: Du, nicht an Bildwerk reicher, Als an Erinnerung!
Von Söller und Altane, Gewöhnt an Krieg und Sturm, Weht heut die Friedensfahne Zum Festgeläut vom Thurm. Es wandelt durch die Hallen Der Geist der Vorzeit heut, Der deinen Gästen allen Ein froh Willkommen beut.
Gegrüßt, ihr Herrn, zur Feier, Zum Tag, den Gott geschickt, Da Hermann, der Befreier, Sein Werk vollbracht erblickt. Euch grüßt an dieser Stätte Ein sanfter Laut wol auch, Als ob das Echo hätte Geweckt ein Geisterhauch.
Denn während dort dem Helden Sich hebt das Mal von Erz, Hält Zwiesprach mit Thusnelden Hier eines Weibes Herz; Wer sagt, was sie gelitten, Was sie, voll Weh, durchlebt, Als von des Corsen Schritten Des Schlosses Grund erbebt?
Von Efeu wird umsponnen Des Fensters steinerner Rand; Doch dringt ein Strahl der Sonnen Heut durch die Blätterwand, Daß dieses Tags ein Schimmer Der Fürstin Stirn bescheint, Die fest und treu für immer Mit ihrem Volk vereint.
Und horch! – ein heimlich Tauschen Durch Saal und Wölbung schallt, Als wär’s ein Blätterrauschen Vom Teutoburger Wald. Und leiser wird’s und leiser … Und vor Paulina’s Bild Tritt still der deutsche Kaiser, Wehmuth ergreift ihn mild.
Manch Bild aus fernen Zeiten Vorbei der Tag ihm führt; Und viel Gestalten schreiten An ihm dahin – doch rührt Ihn keine so wie diese; Ob er wol, traumversenkt, Der Königin Luise, Der Mutter hier gedenkt?
Heil, edelster der Gäste, Heil, Kaiser Wilhelm Dir! Und Heil Dir, Haus und Veste, Du Detmold’s alte Zier! Umringt vom Wälderschoße, Drin Deutschlands Feind zerschellt, So blüh, Du rothe Rose, Lang noch im Silberfeld!
Julius Rodenberg.