German poem
Der Kronprinzessin Olga Kaiserl. Hoheit
by Justinus Kerner (1786–1862)
Siehst du vom Berg des Schlosses Trümmer ragen? Hier war es, wo in starker Vorzeit Tagen Errettend aus der feindlichen Gewalt Die Frauen ihre Männer treu getragen; Und hier macht treue Liebe gerne halt. Hier, Lieblichste! laß eine Bitte wagen:
Nimm zu des Nordens reichem Diamant, Gedenkend unsrer Burg der Frauentreue, Aus ihr ein Steinchen an die schöne Hand; Ob glanzlos auch, wird's nicht von dir mißkannt.
Fahr freudig weiter in dein schönes Land, Wo immer Berge grüßen dich aufs neue Mit goldnen Trauben von der Felsenwand, Hin, wo der Fruchtbaum seinen grünen Bogen
Zum Schattendach dir wölbt an Neckars Strand, Der zu dir eilt in himmelblauen Wogen, Ins Land, wo Bürgerherzen hell gezogen Ums Königshaus ein diamantnes Band.
Und wer hat dich, du Lieblichste! gesandt? Der Engel, der zu früh sich fern gewandt. Der Engel, der wie du, ein Stern aus Norden, Zum Liebessterne unserm Land geworden.