Versos German Justinus Kerner Die schwäbische Dichterschule

German poem

Die schwäbische Dichterschule

by (1786–1862)

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»Wohin soll den Fuß ich lenken, ich, ein fremder Wandersmann, Daß ich eure Dichterschule, gute Schwaben, finden kann?«

Fremder Wanderer! o gerne will ich solches sagen dir: Geh durch diese lichte Matten in das dunkle Waldrevier, Wo die Tanne steht, die hohe, die als Mast einst schifft durchs Meer; Wo von Zweig zu Zweig sich schwinget singend lust'ger Vögel Heer; Wo das Reh mit klaren Augen aus dem dunkeln Dickicht sieht Und der Hirsch, der schlanke, setzet über Felsen von Granit; Trete dann aus Waldes Dunkel, wo im goldnen Sonnenstrahl Grüßen Berge dich voll Reben, Neckars Blau im tiefen Tal; Wo ein goldnes Meer von Ähren durch die Ebnen wogt und wallt, Drüber in den blauen Lüften Jubelruf der Lerche schallt; Wo der Winzer, wo der Schnitter singt ein Lied durch Berg und Flur: Da ist schwäb'scher Dichter Schule, und ihr Meister heißt – Natur!