Versos German Justinus Kerner Preis der Tanne

German poem

Preis der Tanne

by (1786–1862)

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Jüngsthin hört' ich, wie die Rebe Mit der Tanne sprach und schalt: »Stolze! himmelwärts dich hebe, Dennoch bleibst du starr und kalt!

Spend' auch ich nur kargen Schatten Wegemüden, gleich wie du, Führet doch mein Saft die Matten, O wie leicht! der Heimat zu.

Und im Herbste, – welche Wonne Bring' ich in des Menschen Haus! Schaff' ihm eine neue Sonne, Wann die alte löschet aus.«

So sich brüstend sprach die Rebe; Doch die Tanne blieb nicht stumm, Säuselnd sprach sie: »Gerne gebe Ich dir, Rebe, Preis und Ruhm.

Eines doch ist mir beschieden: Mehr zu laben, als dein Wein, Lebensmüde; – welchen Frieden Schließen meine Bretter ein!«

Ob die Rebe sich gefangen Gab der Tanne, weiß ich nicht; Doch sie schwieg, – und Tränen hangen Sah ich ihr am Auge licht.