Versos German Justinus Kerner Sommerabend

German poem

Sommerabend

by (1786–1862)

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Sommerabend.

(Auf Kloster Lorch, der Gräbstätte des Hohenstauffischen Herzog- und Kaiserhauses.)

Nach mildem Abendregen Die Lüfte, kühlend weh’n; Des Landes reicher Seegen Dampft auf zu blauen Höh’n. Duft kommt herangezogen Von Blumen, Kräutern grün, Die unter goldnen Wogen Des Aehrenfelds erblüh’n.

Es rauschen durch die Stille Die Aehren, voll und schwer; Der Wald in üpp’ger Fülle Steht schwarz, ein nächtlich Meer. Und über ihn sich breitet Ein stolzer Felsenkranz, Das ist die Alp, gekleidet In blauen Himmelsglanz.

Und all’ die Berg’ und Auen, Bebaut mit fleiß’ger Hand, Dies Land, so schön zu schauen, Ist deutsches Vaterland! Geküßt von Himmelsbläue, Steht es, des Himmels Braut. Schützt, Brüder, sie mit Treue! Gott hat sie euch vertraut!

Schlaft süß, die ihr den Degen Für diese Braut geführt, Die auf des Sieges Wegen Jüngst sel’ger Tod berührt! Auch hier aus alten Zeiten Schläft manches Heldenbild, Das einst in blut’gen Streiten War deutschem Land ein Schild.

Noch ragt der Fels vor allen, Drauf einst der Helden Haus; Ist auch ihr Leib zerfallen, Die Treu’ hält ewig aus. Drum stieg in Kampfes Tagen Hier aus der Grüfte Nacht Manch’ alter Held, zu tragen Das Siegspanier der Schlacht.

Mit solchen treu, verbunden, Da kämpften Männer gut, Da sprang aus sel’gen Wunden Ein Heilquell, deutsches Blut. Lasst deutschen Muth nicht sinken, So lang noch Alpen steh’n, Euch Heldengeister winken Von ihren blauen Höh’n!

Hängt fest, wie Waldes-Eichen, Am heil’gen deutschen Land! Wollt ritterlich euch reichen Zu Schutz und Trutz die Hand! Die Braut in Himmelsschöne, Dies Land so seegenreich, Will starke, treue Söhne, Den ew’gen Alpen gleich.

Justinus Kerner.