Versos German Karl Kraus Die Raben

German poem

Die Raben

by (1874–1936)

Listen in the reader

Immer waren unsre Nahrung die hier, die um Ehre starben. Aber eure Herzenspaarung macht, daß Raben nimmer darben.

Wir, die wir uns nie bewarben, Nahrung haben wir erworben. Ihr nicht, wir nicht dürfen darben, euch und uns sind sie verdorben.

Ihr und wir vom Siege schnarren, wenn die Opfer sich vermehren, weil im Reiche rings die Narren eurem, unsrem Ruf nicht wehren.

Waren Generale Raben, schnarrts von Phrasen dort im Saale. Draußen sind sie unbegraben, da sind Raben Generale!

Dürft getrost die Schlacht verlieren, wir und ihr in keinem Falle müssen uns vor uns genieren: Kriegsgewinner sind wir alle!

Ja wir sind noch sehr lebendig, wir sind beide noch die Alten, und wir freuen uns unbändig, diese Kriegszeit durchzuhalten.

Während ihr zum Fraß vereinigt, brauchen wir nicht zu entbehren. Hunger hat uns nie gepeinigt, seit wir folgen euren Heeren.

Hunger würd’ uns nimmer munden, und wir stürben an der Schande, und wir sind euch sehr verbunden, daß wir nicht im Hinterlande.

Dort ist wahre Not, die Greise und die Kinder dort verderben, weil hier auf die andre Weise uns zum Trost die Männer sterben.

Eure Schlachtbank läßt nie darben ihre angestellten Kunden. Raben haben, seit sie starben, immer Nahrung noch gefunden.