German poem
Rückkehr in die Zeit
by Karl Kraus (1874–1936)
Mein Zeiger ist zurückgewendet, nie ist Gewesnes mir vollendet und anders steh’ ich in der Zeit. In welche Zukunft ich auch schweife und was ich immer erst ergreife, es wird mir zur Vergangenheit.
Und allem, was an Schmach und Schöne als Bilder ich bewahr’ und Töne, dem bin ich ewig untertan. Ich sitze bei der Schicksalsspinne und was sie immer mir beginne, ich seh’ es mir von außen an.
Bin meines Werdegangs Behälter und schaue alle Jüngern älter und fühle in den Tod mich jung. Und ich entwirre das Gewebe und was ich immer noch erlebe, erleb’ ich als Erinnerung.
Ich bin mein treuester Begleiter und lebe das Gelebte weiter, und Neues kann mir nicht geschehn. Von einem Urbild war gesegnet, was mir zum erstenmal begegnet, und ist mir wie ein Wiedersehn.
Bei einem nie gehörten Klange wird mir nach meiner Vorzeit bange, wird Niegesehnes nahe sein. Und wenn ich einmal auf der Bahre in unbekannte Länder fahre, dann tret’ ich in das Leben ein.