German poem
Die Rache der Elfen
by Karl Ludwig von Woltmann (1770–1817)
Die Furcht durchflüstert alle Blätter, Und jedes Lied verstummt im Hain, Schon flammt im schwarzen Donnerwetter Entfernt der Blitze falber Schein. Der Schäfer zeigt die grüne Höle, Um welche sich der Epheu rankt, Der Hirtin, die mit banger Seele An seinem Arm’ im Haine wankt.
Allein mit dem geliebten Hirten Auf einer Höle Rasensitz, Wo Liebesgötter sie bewirthen, Vergißt die Bängste selbst den Blitz. Wenn Flammen auch die Höl’ umschlangen, Die Hirtin bebte nicht zurück; Er küßt die Furcht ihr von den Wangen, Den Schrecken aus dem süßen Blick. Ein frisches Duftgesäusel wallet Im Haine bei der Sterne Licht, Und Philomelens Nachtlied hallet; Die Hirtin ach! vernimmt es nicht. Man sieht erzürnt die Elfen wallen, Daß Lust der Keuschheit Blume bricht, Man hört im Haine Klagen hallen; Die Hirtin ach! vernimmt sie nicht.
Doch endlich ward im Mondesschimmer Sie an des Schäfers Arm gesehn: Es tönt der Elfen Grabgewimmer, Wo sie berauscht im Thale gehn. Ihr Purpurgürtel weht im Winde, Ihr Auge schwimmt im feuchten Glanz; Sie seufzt, »o! süßer Hirt, wo finde Ich nun der Unschuld Lilienkranz?«
Bei Kronen, welche Leichen schmücken, So wimmert es im Nebelthal; Sie geht erblaßt mit scheuen Blicken Den Berg hinan im Mondesstral. Da rauscht herab von Felsenklippen Im kalten Wind der Elfen Schwarm; Die Hirtin sinkt mit blassen Lippen Erstarrt in ihres Schäfers Arm.