German poem
Die wilde Rose
by Karl May (1842–1912)
Es glänzt der helle Thränenthau In Deinem Kelch, dem todesmatten; Du sehnst Dich nach des Himmels Blau Hinaus aus düstrem Waldesschatten. Es rauscht der Bach am Felsenspalt Sein melancholisch Lied. Hier ists so eng, hier ists so kalt, Wo nie der Nebel flieht.
Du meine süße Himmelslust, O traure nicht und laß das Weinen! Dir soll ja stets an treuer Brust Die Sonne meiner Liebe scheinen. Drum schließe Deine Augen zu, Worin die Thränen glühn. Ja, meine wilde Rose, Du Sollst nicht im Wald verblühn!