Versos German Karl Uschner Der Tanz auf dem St. Martinskirchhofe

German poem

Der Tanz auf dem St. Martinskirchhofe

by (1802–1876)

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War einst ein Dorf, Kohlbeck genannt, Gelegen im Magdeburger Land.

Auf dem Kirchhof St. Martin’s im Mondenglanz Acht Paare dort drehten sich wild im Tanz.

Und rastlos tanzten sie fort und fort, Und achteten nicht den geweihten Ort:

Und achteten nicht die geweihte Zeit: Des Herren Geburt so man feierte heut.

Da erschien der Priester Ruprecht gar Und mahnte zur Ruhe die wüste Schaar.

Die achtete nicht des Priesters Wort Und tanzte und lobte in Einem fort.

Drob zürnte der Mann Gottes sehr Und sprach zu des heiligen Martin’s Ehr’:

„So tanze denn, du wüste Schaar, Auf derselbigen Stell’ ein ganzes Jahr!“

Und Dirn’ für Dirne, Mann für Mann Erlag des zürnenden Priesters Bann;

All’ mußten, trotz Eis und Sonnengluth, Forttanzen und toben in toller Wuth.

Meßopfer wurden nicht gespart, Doch der heil’ge Martin blieb felsenhart.

Eine schmucke Dirn’, die der Bann mit traf, Wollt’ Einer gewaltsam entziehen der Straf’:

Er zog sie am Arm, sie ließ ihm den Arm Und folgt’ einarmig dem tollen Schwarm.

Bis an den Gürtel tanzten sie sich In die Erd’ hinein, da der Boden wich;

Doch keine Sohle dünne sich rieb, So toll auch die Tanzwuth ihr Wesen trieb.

Und als sie getanzt ein ganzes Jahr, Erlöst vom Banne stand Paar für Paar.

Doch die Glieder der Tänzer fortzuckten, bis daß Der Tod macht’ ein Ende dem grausigen Spas.

K. Uschner.