German poem
Den Liljenleib des Purpurs dunkler Schleier
by Karoline von Günderrode (1780–1806)
Den Liljenleib des Purpurs dunkler Schleier Dem irren Blick der Göttin halb entzieht; Der Trauer Bild, die Anemone, blüht So weiß als roth zur stillen Todtenfeyer.
Erloschen ist in Ihm des Lebens Feuer, Sein todtes Aug' die Blume nimmer sieht. – Doch plötzlich schmilzt der Göttin Leid im Lied, Die Klage tönt, die Seele fühlt sich freier.
Ein Kranker, der des Liedes Sinn empfunden, Durch Ihrer Töne Zauber soll gefunden. – Der Andacht gerne Liebe sich vertraut.
Und glaubig einen Tempel er sich baut, Auf daß er pflege in dem Heiligthume Der Sehnsucht Kind die süße Wunderblume.