German poem
Hände an der Schreibmaschine
Meine Schrift kann niemand lesen, nicht mal ich. Nur noch Chinesen pinseln wichtig. Ich will kein solch Pinseler bleiben. Mit acht Fingern laßt mich schreiben! Aber richtig! Hebel rauscht, und Glöckchen klingt, und die Schreibmaschine singt:
Übung kommt so mit den Jahren. Und ich schalte wie beim Fahren dritten Gang ein. Hoppla, Kurve! Achtung, Liebe! Und ich fang in das Getriebe jeden Klang ein. Hebel rauscht, und Glöckchen zirpt, und die Schreibmaschine wirbt:
Tausend Finger laufen eilig amtlich, dienstlich, polizeilich auf den Tasten. Aufgebote für die Heirat, das Gesuch beim Polizeirat, Steuerlasten. Hebel schnattern, Walze steht, und die Schreibmaschine fleht: Unser Leben, eingefangen, ist durch dich hindurchgegangen, Guillotine! Unsere Freuden, unsere Sorgen, gestern, heute, übermorgen – o Maschine! Hebel wirbeln, Wagen knackt, und die Schreibmaschine tackt: Alles weißt du, Maschine, immer stehst du startbereit! In dir ist unser Beruf, unser Leben und unsre ganze Zeit. Sogar auf Reisen kommst du mit, praktisch und gut verpackt, bis eines Tages zum letzten Male dein Hebel knackt.
Millionen Konzerte steigen täglich auf aus Stahl und Papier. Was wären wir ohne dich, du Geschäftsklavier –!