German poem
An Amarant
by Leopold Friedrich Günther von Goeckingk (1748–1828)
Meine Mutter fragt mich immer: Trinkst du auch den Mandeltrank? Trink ihn! täglich wirst du schlimmer! – Ach! die Liebe macht mich krank!
Nimm doch, spricht sie oft bei Tische, Wirst so mager und so matt, Noch ein Stückchen von dem Fische! – Ach! die Liebe macht mich satt!
»Siehst du nicht die Scheere liegen? Liegt ja grade vor dir, Kind! Kann dich so das Auge trügen?« – Ach! die Liebe macht mich blind!
»Bist so still? was mag dir fehlen? Geht dir was im Kopf' herum? Weißt du gar nichts zu erzählen?« – Ach! die Liebe macht mich stumm!
»Ei! ich möchte fast dich schlagen; Zieh den Schlepp auf! was für Staub? Soll ich's dir noch zehnmal sagen?« – Ach! die Liebe macht mich taub!
»O! die liebe Langeweile! Wäre Amarant doch hier!« – Hörst du, Liebster? Eile! eile! Leben bringst du ihr und mir!