German poem
Die Predigt am Magdalenentage
by Leopold Friedrich Günther von Goeckingk (1748–1828)
Ein Priester predigte am Tage Magdalenen Vom Greuel ihrer ersten Lebensart; Doch ward nachher das Lob der Schönen Ob ihrer Reu’ und Busse nicht gespart –
Nun fuhr der Redner zu den Damen, Die vor ihm sassen, eifernd fort: »Wie viel sind unter euch, die mehr zu diesem Ort Sich zu belustigen, als zu belehren kamen! –
Absonderlich ist eine unter euch, Bei der hilft weder Droh’n noch Bitten – An Leichtsinn und an losen Sitten Bleibt sie vielmehr sich immer gleich! – –
Wie heilig hat sie alle Jahr’ Im Beichtstuhl Besserung versprochen – Allein wie allzubalde war Stets dies Gelübd’ gebrochen? –
Und da sie ihre Frechheit immerdar Noch gar vermehrt – wer kann’s verwehren, Wenn wir sie öffentlich beschwören? – Das will ich jetzt auch thun! – Es ist – es ist –