Versos German Lothar Meggendorfer Was soll ich werden?

German poem

Was soll ich werden?

by (1845–1925)

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Wie du immer wirst genannt, Emil oder Ferdinand, Gustav, Otto, Leonhard, Wilhelm oder Eduard, Franz, Johannes, Fritz, Thaddäus, Oder gar Bartholomäus, August, Cäsar, Hannibal – – Jeder Knabe muß einmal – Das ist unser Los auf Erden – Fragen sich: „Was soll ich werden, Daß ich als ein tücht’ger Mann Auch was Rechtes leisten kann?“

Doch der Menschen Thun hienieden, Wie sie selbst – ist sehr verschieden, Darum gibt’s verschied’ne Arten Des Berufes, wie im Garten – Wenn dir der Vergleich beliebt – Es verschied’ne Blumen gibt. Wollten alle auf wir zählen, Würden immer ein’ge fehlen; Vorzuführen d’rum es gilt Dir nur die in Wort und Bild, Die uns auf des Lebens Wegen Treten überall entgegen.

Leichter werden wird einmal Dir vielleicht die Standeswahl, Schaust dies Buch du fleißig an Und ergötzest dich daran. Aber eines wohl dir merke: „Wie verschieden auch die Werke Sind der Menschen, groß und klein, Fleißig muß ein jeder sein, Soll was Rechtes ihm gelingen Und will er’s zu etwas bringen; Jede Arbeit kostet Schweiß Und der Lohn wird nur dem Fleiß!“ Viele Mühe hat der Lehrer Will er recht sein Amt verseh’n Denn von allem nichts ist schwerer, Als mit Kindern umzugeh’n.

Sie erziehen, unterrichten – Das bedenke wohl mein Sohn! – Braucht Geduld. Schön sind die Pflichten, Dank und Segen sind sein Lohn! Ehre, Ruhm und manchen Thaler, Wenn er hat sein Ziel erreicht, Erntet ein geschickter Maler, Doch die Kunst, sie ist nicht leicht.

Sie erfordert Kampf und Streben – Und die Palme nur erringt, Wer begeistert all’ sein Leben Seiner Kunst zum Opfer bringt. Aus totem Steine schaffet Leben Bildhauers Kunst mit sich’rer Hand, Doch leisten seine Werke eben Auch Zeit und Wetter Widerstand.

Wenn alles Andre mag verschwinden, Und Alles längst in Staub zerstob, Das stumme Erz und Marmor künden Der Nachwelt laut des Meisters Lob. Welche Wonne, welch’ ein Glück Wohl der Komponist verspüret, Wenn, ein Feldherr, mit Geschick Sicher er den Taktstock führet!

Was er still für sich ersann, Rauscht entzückend ihm entgegen, Und zu gleichem Jubel kann Alle Herzen er bewegen. Man hört des Architekten Ruhm Weit durch die Lande schallen, Baut er ein stolzes Königsschloß Und heil’ge Tempelhallen.

Doch auch im schlichten Bürgerhaus Sich seine Kunst entfaltet, Wenn er’s mit Umsicht und Geschmack Recht wohnlich uns gestaltet. Wohl muß der bied’re Landmann sich Von früh bis abends plagen, Doch spürt kein And’rer sicherlich Ein größeres Behagen.

Der Bauer ist sein eig’ner Herr Und böte, was er wolle, Ein Andrer ihm, nicht tauschte er Der Heimat freie Scholle. Wie rastlos trägt von Ort zu Ort Gedanken und Ideen Der Menschen das gedruckte Wort! Wer kann ihm widerstehen?

Buchdrucker nennen wir den Mann, Der mit den schwarzen Lettern Des Geistes Licht verbreiten kann In Büchern, wie in Blättern. Belohnend ist die Gärtnerei, Ist viele Plage auch dabei. Wer fleißig gießt, trotz Sonnenbrand, Der erntet viel vom Gartenland.

Und sieh’, wie schön die Rosen glüh’n Und all’ die tausend Blumen blühn! Das reinste Glück blüht uns entgegen Aus Pflanzen, die getreu wir pflegen. Der Techniker, wenn er geschickt, Kann leicht sich viel verdienen; Was sonst die Menschenhand gemacht, Das machen jetzt Maschinen.

Mit Schrauben, Hebeln, Kolben weiß Die Kraft er zu verwenden, Die Dampf und Elektrizität So reich dem Menschen spenden. Mit dem Netze, mit der Angel Harret oft der Fischer lang, Aber endlich, welche Beute! Welch’ ein guter, reicher Fang!

Er versteht den Fisch zu hegen, Zu verbessern seine Zucht, Seine Mühe allerwegen Trägt ihm tausendfache Frucht! Den Metzger auch vermöchten wir Wohl nimmer zu entbehren, So lange nicht von Pflanzenkost Allein wir uns ernähren.

Er liefert uns das Fleisch ins Haus, Die Wurst, den saft’gen Schinken, Und appetitlich sehen wir’s Aus seinem Laden winken. Mit Pillen und Latwergen Aus heilsam bittrer Frucht Der Doktor die Patienten Gesund zu machen sucht.

Und ob auch gegen ’s Sterben Kein Kraut gewachsen ist, Er lindert unsre Schmerzen Und hilft zu jeder Frist. All’ uns’re Meubel, Tisch und Bank, Den Stuhl, den Kasten und den Schrank, Wir danken sie des Tischlers Fleiß, Der Alles wohl zu machen weiß.

Er hat die Wiege uns gebaut, Drin wir das Licht der Welt erschaut – Er zimmert einst uns auch die Truhe, Drin man uns trägt zur ew’gen Ruhe! Den treu’sten Freund in unser’m Haus, Den Ofen, baut der Mann, Der Schüsseln, Töpfe, Teller, Napf Aus Lehm auch drehen kann.

Für Töpfers Ware mancherlei Fehlt es an Absatz nicht, Weil jeder Krug zum Brunnen geht, So lang nur – bis er bricht. Vieles liefert uns der Glaser, Was wir könnten kaum entbehren, Denket nur, was ohne Fenster Unsre schönsten Häuser wären.

Ihm ist Hagel Segenspender, Der den Andern bringt Verderben – Reiche Ernte hält der Glaser, Wenn der Alles schlägt in Scherben. Wenn uns erquickt ein gutes Bier, Der Gerste edler Trank, Dem wack’ren Bräuer sagen wir Für seine Arbeit Dank.

Er, der aus Malz und Hopfen recht Den edlen Saft gebraut, Bei dem so gern der Deutsche zecht, Gepriesen sei er laut! Der Schuster soll bei seinem Leist’n, So sagt das Sprichwort, bleiben; Zu jeder Frist und überall Kann er sein Handwerk treiben.

Und wenn die Arbeit fertig ist, Wie lächelt er voll Wonne, Wenn frisch gewichst sein Stiefelpaar Hell glänzet in der Sonne. Der Apotheker kennt genau Der Pflanzen Art und Kräfte, Und, wie der Arzt es ordiniert, Mischt Pulver er und Säfte.

Er fertigt an die Medicin, Die Salben und die Pillen, Die alle Wunden heilen schnell Und jedes Fieber stillen. Der Müller mit dem Esel muß Den Sack zur Mühle tragen, Doch hört man, weil er meistens reich, Den Müller selten klagen.

Mit schweren Steinen mahlet er Das Mehl aus dem Getreide, Und weil es in der Mühle staubt, D’rum ist er weiß, wie Kreide. An der Esse steht der Schmied, Trotzet kühn des Lebens Jammer, Schmiedet doch, so lang es glüht, Er das Eisen mit dem Hammer.

Wie er auf den Amboß schlägt – O du glücklicher Geselle! Froher Mut sein Herz bewegt, Und die Funken sprühen helle. Unentbehrlich ist vor Allen Uns der Bäcker; ohne ihn Könnte man in Wien nicht leben Nicht in München, noch Berlin.

Aber eben, weil ein Jeder Nötig hat sein täglich Brot, Darum leiden auch die Bäcker In der Regel keine Not. Ein Spruch, der alt schon manches Jahr, Sagt: „Kleider machen Leute.“ Und dieser Spruch, er gilt als wahr Wie gestern so noch heute.

Darum ist wohl als wicht’ger Mann Der Schneider sehr zu achten, Der gute Kleider machen kann Und sorgt für neue Trachten. Der schwarze Rauchfangkehrer muß Uns die Kamine kehren, D’rum ist er schwarz, als wie der Ruß, Wer kann es ihm verwehren!

Doch er genießet viel Respekt, Ihn fürchten böse Kinder – Reich ist sein Lohn und Werktags selbst Stolziert er im Cylinder. Der kühnste Mann von allen ist Der Seemann auf dem Meere. Froh ist sein Mut zu jeder Frist, Wie viel er auch entbehre.

Die hohe See, das weite Meer Sind seine Lust, sein Leben, Und heult der Sturmwind noch so sehr, Nichts macht sein Herz erbeben! Wagner werden wär’ nicht schlecht, Er baut die Karosse, D’rin des Königs Majestät Fährt aus ihrem Schlosse.

Auch die Karren, groß und klein, Baut er und nicht minder – Hätt’ ich eine solche doch! – Chaisen für die Kinder. O welche Lust Soldat zu sein, Den Säbel an der Seiten, Mit frischem Mute d’rauf und d’rein Für Ehr’ und Ruhm zu streiten!

Er trotzet jedem Ungemach, Mag rot sein Blut auch färben Die Erde, schön und herrlich ist’s, Für’s Vaterland zu sterben! Mit weiser Einsicht unermüdlich, Sei’s in Verwaltung, im Gericht Wahrt uns’re Rechte der Beamte Getreu ergeben seiner Pflicht.

All’ seine Sorgen, seine Mühen, Sie gelten nur des Staates Heil, D’rum wird der Dank auch seines Königs Und hohe Ehre ihm zu teil. Und sollten für den Anfang auch Die nöt’gen Mittel fehlen, Läßt Jedem als Beruf sich sehr Der Kaufmannsstand empfehlen.

Durch Fleiß, Geschick und Ehrlichkeit Hat sich vom armen Jungen Zum reichen Mann im Leben schon So Mancher aufgeschwungen. Gelehrter kann nicht jeder sein, Auch jeder nicht ein Dichter, Sind auf dem Weihnachtsbaume selbst Doch auch nicht lauter Lichter.

Und würde dir gelingen selbst Das Höchste zu erstreben, Noch immer würde über dir Es Größ’res, Höh’res geben.

D’rum lasse dich von Hochmut nicht Und nicht von Habsucht leiten, Bedenke wohl, ein jeder Stand Hat Licht- und Schattenseiten.

Mit Gott, der ’s stets am besten weiß, Wird dir die Wahl gelingen – Und fehlt’s dir nicht an Mut und Fleiß, Wirst du’s zu etwas bringen.