German poem
Naturgeschichtliches Alphabet
by Ludwig Thoma
A Der Abend kommt am Tagesschluß, In Afrika gibts viel Verdruß.
B Was in Berlin so vor sich geht, Erfährt der Bülow manchmal spät.
C Den Cognac trinkt man gerne vieux, Den Caro beißen viele Flöh'.
D Des David Sohn hieß Absalon, Der Dernburg wird jetzt auch bald »von«.
E Die Elstern haben bunte Schwänz', Im Alter wird man Exzellenz.
F Die Fürsten sieht man nur von ferne, Furunkeln hat man auch nicht gerne.
G Die Gnade ist um Geld nicht feil, Auch Greise sind mitunter geil.
H Der Himmel ist der Menschheit Ziel, Der Hase rammelt ziemlich viel.
I Das Indigo ist blau, nicht rot, Der Ibsen ist jetzt auch schon tot.
K Der Kranke wird sehr oft klistiert, Der Kaiser hat den Kleist zitiert.
L Man wird leicht stolz als Leutenant, Die Laus stammt wohl aus Griechenland.
M In Montenegro wird gestohlen, Die meisten Sachsen sind Mongolen.
N Wer länger ohne Nahrung ist, Wird ganz von selber Nihilist
O O-Beine niemand leiden kann, Der Orterer ist ein schöner Mann.
P Der alte Pfaffe wird ein Probst, Der Pferdeapfel ist kein Obst.
Q Es gibt viel Quallen in der See, Viel Quasselfritzen an der Spree.
R Der Reiher speit mitunter sehr, Von Roeren hört man gar nichts mehr.
S In Singapore sind wir fremd, Der Serbe wechselt nie das Hemd.
T Der Tod ist dieses Lebens Ende, Die Taube kackt auf Monumente.
U Man lasse doch den Unfug bleiben, Mit seinen Fürsten Ulk zu treiben.
V Vampire sind gemeine Biester, Die Venus hat noch heute Priester.
W Die Wade ist ein Teil des Leibes, Und oft die Zierde eines Weibes.
XY sind sehr verzwickt, Auch Busch hat sich darum gedrückt.
Z Der Zar fühlt sich in seinem Saal So bänglich wie ein Zitteraal.