Versos German Ludwig Uhland Fräuleins Wache

German poem

Fräuleins Wache

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Ich geh’ all Nacht die Runde Um Vaters Hof und Hall’. Es schlafen zu dieser Stunde Die trägen Wächter all. Ich Fräulein zart muß streifen, Ohn’ Wehr und Waffen schweifen, Den Feind der Nacht zu greifen.

O weh des schlimmen Gesellen! Nach Argem steht sein Sinn. Würd’ ich nicht kühn mich stellen, Wohl stieg’ er über die Zinn’. Wann ich denselben finde, Wie er lauert bei der Linde, Ich widersag’ ihm geschwinde.

Da muß ich mit ihm ringen Allein die Nacht entlang; Er will mich stets umschlingen, Wie eine wilde Schlang’; Er kommt vom Höllengrunde, Wie aus eins Drachen Schlunde, Gehn Flammen aus seinem Munde. Und hab’ ich ihn überwunden, Halt’ ihn im Arme dicht: Doch eh die Sterne geschwunden, Entschlüpft mir stets der Wicht. Ich kann ihn Niemand zeigen, Muß meinen Sieg verschweigen Und mich in Trauer neigen.