German poem
Wachtelruf
by Luise Hensel (1798–1876)
Es wohnt im tiefen Waizenfeld Ein Vöglein, treu gesinnt, Das eine ernste Frage stellt Jedwedem Menschenkind: Dic, cur hic?
Wenn kaum der junge Morgen graut Und frisch die Frühluft weht, Weckt dich des Vögleins muntrer Laut Zu Arbeit und Gebet: Dic, cur hic?
Eilst du dahin mit leichtem Fuß Zu Tanz und Spiel und Scherz, Schlägt ernst des Vögleins Mahnungsgruß An's weltzerstreute Herz: Dic, cur hic?
Und schleichst du trüb' und laß daher, Rufst frevelnd wohl den Tod, Denkst deines lichten Ziels nicht mehr, Tönt's hell durch deine Noth: Dic, cur hic?
Vergaßest du, daß Gott dich schuf Nur für ein ewig Sein, Schallt laut des Vögleins Frageruf Dir in die Seel' hinein: Dic, cur hic?
O schütze Gott dich, Vöglein traut, Daß deine Brut gedeiht Und oft ihr frommer, frischer Laut Uns mahnt zur rechten Zeit: Dic, cur hic?