German poem
Als der Sohn unsers Kronprinzen gestorben war
Mit den vielen andern, Groß und Kleinen, Klag ich schmerzlich deinen Tod; Will bei deinem Sarge satt mich weinen Und die Augen rot.
Nicht: daß du dich nicht, nach Herzensgnüge, An die holde Mutter schmiegst, Und daß du, statt freundlich in der Wiege, Tot im Sarge liegst; –
Hier ist Vorplatz nur, spät oder frühe, Gehn wir alle weiter ein, Und es lohnt sich wahrlich nicht der Mühe Lange hier zu sein;
Nicht: daß du des Vaters Glanz hienieden Und sein Königreich nicht sahst, Und daß du die Krone, dir beschieden, Nicht getragen hast; –
Ach, die Kronen sind nicht ohne Bürden, Sind nicht ohn Gefahren, Kind! Und es gibt für Menschenkinder Würden, Die noch größer sind;
Sondern: daß wir hier ein Land bewohnen, Wo der Rost das Eisen frißt, Wo durchhin, um Hütten wie um Thronen, Alles brechlich ist;
Wo wir hin aufs Ungewisse wandeln, Und in Nacht und Nebel gehn, Nur nach Wahn und Schein und Täuschung handeln, Und das Licht nicht sehn;
Wo im Dunkeln wir uns freun und weinen, Und rund um uns, rundumher, Alles, alles, mag es noch so scheinen, Eitel ist und leer.
O du Land des Wesens und der Wahrheit, Unvergänglich für und für! Mich verlangt nach dir und deiner Klarheit; Mich verlangt nach dir.