Versos German Max Herrmann-Neisse I

German poem

I

by (1886–1941)

Listen in the reader

Die Mutter schilt mich ohne Grund -- ich wehre mich -- wir zanken -- wie kannst du wissen, was ich heimlich für und für gelitten und immer wieder durchgelitten hab' . . . ich möchte um Verzeihung bitten für jeden Schlag, den du mir gabst, und dir für jede Härte danken! Weißt du denn, wie das ist, wenn in einsamer Nacht ich wach sein muß und irgendein Tier vor mir flieht, wenn man im Spiegel sich selbst wie entzaubert sieht in roher Nacktheit, maskenlos ungeschlacht? Ich möchte dir so gern, so gern! stets etwas Schönes schenken, und hab' doch immer Angst vor deinem hilflos herben Staunen: Du hieltest es erbittert, oh! für eine von meinen erbarmungslosen Launen und weintest heimlich -- aber ich muß »Martyrblume! Schwester!« denken . . .

Und -- Gott ist krumm! -- ich muß dich immer wieder kränken!